Allgemein · amwriting · Kreatives Schreiben · NaNoWriMo · Natashas Update · Schreiben

Natashas Update: Das Kreuz mit „Du“ und „Sie“

Hallo ihr verrückten Vergötterer des geschriebenen Wortes,

long time no see. Schon in meinem letzten Post habe ich Besserung geschworen, doch irgendwie kommt mir immer wieder das echte Leben in die Quere. Übrigens gibt es dieses Thema jetzt auch als Podcast auf https://anchor.fm/natashaschreibt und bei Spotify. Falls euch das Format gefällt, freue ich mich über euer Feedback 🙂

Was ist seit meinem letzten Eintrag geschehen? Mal sehen, fassen wir mal zusammen. Ich schreibe immer noch am ersten Entwurf von »Das Testament«. Rick und Louise haben sich (wie ich finde!) bisher vorbildlich weiterentwickelt und haben ihre kleine Heldenreise durchlebt. Persönlich habe ich die schönsten Erinnerungen an alle Arten von Roadtrips und ich muss sagen, dass es mir Spaß macht, so etwas in Romanform noch mal zu durchleben.

So weit, so gut. Nun heißt dieser Blog ja nun mal »Natasha schreibt Romance« punkt com. Nicht »Natasha schreibt über irgendwelche lustigen Dinge, die zwei Fremde auf einer Reise erleben, ohne sich persönlich auch nur einen Hauch näher zu kommen« punkt com, was für die On-Page-Google-Optimierung auch ein kleiner Alptraum wäre, aber lassen wir das.

Meine beiden Hauptfiguren steuern auf das Ende ihrer Reise zu und es wird Zeit, dass die ‚Rising Action‘ sich auf den Höhepunkt vorbereitet. In anderen Worten: die zwei müssen sich endlich küssen, sonst wird das alles doch wieder nix!

Je näher ich an diesen Punkt im Zeitstrahl kam, desto mehr Schwierigkeiten machte mir das Schreiben. Zwischendurch habe ich zwar immer mal wieder schreibblockierte Phasen, aber diese fühlte sich anders an. Ich hatte mich in eine Ecke manövriert, aus der ich keinen Ausweg sah. Irgendwo war ein Fehler, aber ich konnte partout nicht erkennen, wo genau ich diesen gemacht hatte.

Das größte Problem an der Geschichte, ist nicht, dass ich einen Fehler in der Storyline an sich gebaut habe, sondern, dass ich ganz schnell die Motivation verliere weiterzuschreiben, wenn es mal nicht so läuft. Dass sich in meinem Brotjob seit einem halben Jahr zudem immer mehr Baustellen angehäuft hatten, die ich auch noch in irre vielen Überstunden regeln musste, half da wirklich wenig.

Ursprünglich wollte ich einen fertigen zweiten Entwurf bis Oktober bei Sweek hochgeladen haben, aber das Vorhaben musste ich spätestens im Juli als unrealistisch canceln. Also habe ich mein Projekt für eine Weile auf Eis gelegt, um genügend Abstand zu gewinnen. Meine Hoffnung war, dass ich Scrivener nach zwei Woche öffne und die Worte wieder nur so aus mir heraussprudeln würden.

Taten sie aber nicht.

An dieser Stelle gibt es zwei Möglichkeiten:
A. Öffne die Schublade, schmeiß das verdammte Manuskript hinein, schließ ab und wirf den Schlüssel weg. Weit weg!
B. Geh zurück in deine Planung und such den verflixten Fehler! Sofort!

So verführerisch Möglichkeit A auch auf mich gewirkt hatte, so lagen mir Rick und Louise einfach zu sehr am Herzen, als dass ich sie einfach so aufgeben konnte. Ich entschied mich für Möglichkeit B.

Nach schier nicht endenwollenden Durchläufen, um der Sache auf den Grund zu gehen, hat mich das Problem irgendwann regelrecht angesprungen.

Meine Charaktere hatten sich immer noch gesiezt!

Hierzu muss ich noch mal ein wenig ausschweifen. Für viele ist das »Sie« in der Unterhaltungsliteratur ein echter Streitpunkt, insbesondere im Deutschen. In der BBC-Serie »Sherlock« siezen sich, zumindest in der deutschen Synchronisationsfassung, der britische Kult-Detektiv und sein Mitbewohner konsequent durch alle Staffeln. Dies sei unnatürlich und unrealistisch, schließlich seien beide beste Freunde und als solche sei man per »Du«. Mag sein, ich argumentiere dagegen.

Das »Sie« ist ein perfektes Stilmittel, um den gegenseitigen Respekt zweier fiktionaler Figuren untereinander zu verdeutlichen. Mag sein, dass sich beste Freunde im wahren Leben eher nicht siezen würden, doch was ist an Sherlock schon realistisch? Sowohl das Verhältnis zu Irene Adler wurde stark überspitzt dargestellt, als auch die Fehde zwischen Sherlock und seinem Erzfeind Moriarty.

Ein ähnliches Problem gab es in der Serie »Akte X«. Der gesamte Plot um die beiden Agenten Fox Mulder und Dana Scully war so ausgelegt, dass sich die Figuren einander einfach annähern mussten. Was einer Romanze jedoch im Weg stand, war die Sprache. Ähnlich wie bei Rick und Louise, haben sich beide sehr lange Zeit gesiezt. Ich müsste die Serie mal wieder komplett durchschauen, denn ich erinnere mich nicht an den Moment, an dem aus »Mulder« und »Scully« plötzlich »Fox« und »Dana« wurde. Schließlich waren beide sogar verheiratet und hatten einen Sohn. Schwierig dies dem Zuschauer zu vermitteln, wenn die Sprache nicht stimmt.

Ich frage mich, ob die Autoren im Writer’s Room auch darüber diskutiert haben, wann der passende Moment gekommen ist, dass die beiden Figuren vertrauter miteinander sprechen.

Wie bei »Sherlock« war der Widerspruch zwischen den Figuren in der deutschen Übersetzung sogar noch deutlicher zu spüren, eben weil wir nicht das universelle »You«, sondern die Unterscheidung zwischen »Du« und »Sie« haben.

Doch gerade das macht die deutsche Sprache für mich aus. Mit kaum einem Stilmittel lassen sich Beziehungen zwischen Figuren pointierter portraitieren, als mit der formellen Anrede. Kennen sich die beiden sehr gut, dann zeugt es von Respekt. Können sich zwei Charaktere nicht ausstehen, dann lässt sich darüber die Abneigung vermitteln.

Ich finde es jedenfalls großartig. Im wahren Leben lege ich selten Wert darauf gesiezt zu werden, außer vielleicht bei sehr formellen Anlässen, wie Bewerbungsgesprächen, oder wenn ich Menschen partout nicht ausstehen kann, aber in der Literatur empfinde ich das »Sie« zwischen den Figuren als etwas sehr angenehmes. Ganz ehrlich, mich würde es eher abschrecken, wenn sich Sherlock und Dr. Watson auf einmal mit einem kumpelhaften »Du« ansprechen würden, aber das ist wie gesagt nur meine Meinung.

Was will uns dieser Blogeintrag sagen?

Gute Frage. Eigentlich wollte ich mich nur vor Beginn der NaNoWriMo-Saison mal wieder zu Wort melden und dabei über die Vorzüge und Tücken der formellen Anrede sprechen.

Wie seht ihr das? Mögt ihr es, wenn sich Figuren siezen, oder legt ihr ein Buch deshalb zur Seite? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar zu diesem Thema 🙂

Wortreiche Grüße,

/Natasha ❤

Credit: Foto von Ana Francisconi von Pexels

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s